Warum wir bei Content bewusst auf einfache Wörter setzen (und wann komplexere Sprache doch Sinn ergibt)
Komplizierte Sätze und Fachvokabular wirken auf viele Unternehmer nach "kompetent". In der Praxis ist meistens das Gegenteil der Fall. Zumindest, wenn du zu vielen Menschen gleichzeitig kommunizierst.
In diesem Artikel zeige ich dir, warum wir bei unseren eigenen Blog-Artikeln und vor allem in unseren Videos bewusst einfache Sprache verwenden.
Ich bin Elias, M.Sc. in Marketing Management, und betreue bei Blaq Nexus Websites mit knapp einer Million Besuchern im Jahr. Zum Beispiel die von Dr. Stemper, die inzwischen über 800.000 Besucher pro Jahr hat. Und die von Lasse L., der auf Social Media bis zu 11 Millionen Aufrufe im Monat erreicht.
Kurzübersicht
Situation | Empfohlener Sprachstil |
|---|---|
1-zu-1-Gespräch mit bestimmten Personen (z. B. Person mit Doktortitel) | Gehobenere Sprache kann angemessen sein |
1-zu-viele-Kommunikation (Blog, Video, Website, Social Media) | Einfache, kurze Sätze fast immer die bessere Wahl |
Das eigentliche Ziel von Content: Mehrwert vermitteln oder unterhalten und nicht versuchen klug klingen
Guter Content lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen.
Erstens: Content, der unterhält. Der Mehrwert besteht darin, dass du dich während des Konsumierens gut fühlst. Zweitens: Content, der langfristig weiterhilft. Etwa durch neues Wissen oder konkrete Tipps.
Bei beiden Formen ist das eigentliche Ziel dasselbe: dem Publikum einen echten Mehrwert zu vermitteln. Bei keiner dieser Content-Varianten macht es Sinn viele Fachwörter zu verwenden, die keiner versteht.
Was bedeutet Kommunikation eigentlich? Antwort: Eine Information wird von einer Person zur anderen übertragen. Und zwar so, dass sie beim Empfänger auch tatsächlich ankommt und verstanden wird.
Versteht der Empfänger die Botschaft nicht, war die gesamte Kommunikation umsonst. Egal, wie elegant sie formuliert war.
Warum einfache Sprache bei 1-zu-vielen-Kommunikation fast immer gewinnt
Sobald du zu mehr als einer Person gleichzeitig sprichst, erreichst du automatisch ein Publikum mit sehr unterschiedlichem Bildungshintergrund und Vorwissen. Ein Blog-Artikel, ein Video, eine Website.
Verwendest du komplizierte Wörter und verschachtelte Sätze, verstehen dich Menschen mit hohem Bildungsgrad zwar trotzdem. Aber Menschen mit weniger Vorwissen verlieren dich unterwegs.
Einfache Sprache dagegen funktioniert in beide Richtungen. Wer viel Vorwissen hat, versteht dich genauso gut wie jemand, der wenig hat. Du erreichst dadurch schlicht mehr Menschen mit demselben Inhalt.
Es gibt aus unserer Sicht auch keinen wirklich guten Grund, bestimmte Bildungsgruppen bewusst auszuschließen, wenn du kostenlosen Mehrwert vermittelst. Das würde deiner eigenen Reichweite und Wirkung nur schaden.

Einfache Sprache funktioniert für ein breiteres Publikum als komplizierte Fachsprache.
Einfach zu kommunizieren bedeutet nicht, dumm zu wirken
Ein verbreitetes Missverständnis: Wer einfach spricht, wirkt automatisch weniger intelligent. Das Gegenteil ist der Fall.
Intelligenz zeigt sich nicht darin, möglichst komplizierte Wörter zu verwenden. Sie zeigt sich darin, ein kompliziertes Thema so herunterzubrechen, dass es jeder versteht.
Zum Beispiel die spezielle Relativitätstheorie. Die lässt sich durchaus mit den Worten erklären, die ein Kind verstehen würde. Und nach so einer Erklärung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Kern der Theorie wirklich hängen bleibt. Nicht niedriger.
Im amerikanischen Raum gibt es mehrere Untersuchungen, die zeigen: Einfachere Sprache hilft Präsidentschaftskandidaten spürbar dabei, Wähler zu erreichen – und kann die Chancen auf den Sieg erhöhen. Besonders deutlich wurde das bei Donald Trump 2016 dokumentiert.
Eine Analyse von Orly Kayam (2017/2018) untersuchte Interviews und Debatten der Vorwahl. Sie stellte fest, dass Trump auf dem Niveau der 4. bis 5. Klasse sprach. Die anderen Kandidaten lagen im Durchschnitt bei der 9. Klasse. Seine Sätze und Wörter waren deutlich kürzer und weniger komplex. Die Forscherin wertete das als bewusste rhetorische Strategie, um Popularität zu gewinnen.
Ähnliche Befunde liefern linguistische Modelle zur Wahl 2016. Man bezog Syntax-Simplizität und andere sprachliche Merkmale in die Vorhersagemodelle ein. Dann stimmten diese deutlich besser mit dem tatsächlichen Ergebnis überein als reine Umfragedaten.
Weitere Auswertungen (unter anderem von Carnegie Mellon und Grammarly) bestätigen den Trend. Kandidaten mit einfacheren Sätzen polten bei Republikanern oft besser. Und Trump lag auch später noch deutlich unter dem Sprachniveau seiner Gegner.
Warum wirkt dieser Effekt? Antwort: Einfache Sprache senkt die kognitive Hürde. Das durchschnittliche Leseniveau in den USA liegt etwa bei der 6. bis 8. Klasse. Komplexe Formulierungen und Fachjargon schrecken viele ab oder bleiben nicht hängen.
Kurze, klare Sätze hingegen werden leichter verstanden, besser behalten und eher weitererzählt. Gleichzeitig signalisieren sie Nähe und Authentizität statt elitärer Distanz. Das macht die Botschaft einprägsamer und emotional zugänglicher. Ein klarer Vorteil in Wahlkämpfen.
Wie wir das konkret umsetzen
In der Praxis bedeutet das für uns drei Dinge. Erstens: kurze Sätze statt verschachtelter Konstruktionen. Zweitens: konkrete Beispiele statt abstrakter Behauptungen. Drittens: der bewusste Verzicht auf Fachbegriffe, wo ein einfacheres Wort denselben Sachverhalt genauso gut beschreibt.
Das gilt für unsere Blog-Artikel genauso wie für unsere Videos und für die Texte auf Kundenwebsites.

Die Ausnahme: Wann komplexere Sprache doch Sinn ergibt
Es gibt eine relevante Ausnahme. 1-zu-1-Gespräche mit einem Fachpublikum, das an einen gehobeneren Sprachstil gewöhnt ist. Zum Beispiel ein Verkaufsgespräch mit einer Person mit Doktortitel.
In diesem sehr spezifischen Kontext kann eine angepasste, formellere Sprache angemessen sein. Sobald du aber wieder zu mehr als einer Person gleichzeitig sprichst, würden wir fast immer zur einfacheren Variante raten.
Fazit
Einfache Sprache ist bei fast jeder Form von 1-zu-vielen-Kommunikation die bessere Wahl. Nicht, weil sie weniger intelligent wirkt. Sondern weil sie mehr Menschen tatsächlich erreicht.
Komplizierte Sprache kostet dich unbemerkt einen Teil deines Publikums, ohne dass du das direkt merkst. Wie du diese Prinzipien auch auf die konkrete Textgestaltung deiner Website überträgst, erfährst du in unserem Artikel Copywriting für deine Website.
Häufig gestellte Fragen zu einfacher Sprache im Content
Wirkt einfache Sprache nicht unprofessionell?
In unserer Erfahrung nicht. Sind die Inhalte selbst fundiert und gut recherchiert, wirkt einfache Sprache eher zugänglich als unprofessionell.
Sollte ich Fachbegriffe komplett vermeiden?
Nicht zwingend. Aber wo ein einfacheres Wort denselben Sachverhalt beschreibt, würden wir das einfachere Wort bevorzugen.
Gilt das auch für B2B-Content?
Ja. Auch im B2B-Bereich lesen oder sehen am Ende Personen mit unterschiedlichem Vorwissen deinen Content.
Wann ist gehobenere Sprache angemessen?
Vor allem in 1-zu-1-Situationen mit einem Publikum, das erkennbar an einen formelleren Stil gewöhnt ist. Etwa im direkten Gespräch mit einem Fachexperten.
Verliere ich durch einfache Sprache nicht an Autorität?
Aus unserer Erfahrung eher nicht. Autorität entsteht eher durch die Qualität und Nachvollziehbarkeit deiner Erklärungen als durch komplizierte Wortwahl.


























